In Produktion

Mit Verlust ist zu Rechnen

Dokumentarfilm | Ulrich Seidl | 1992
Winter 1992. Ein Mann in seinem Zuhause. Ein dreckiges kleines Zimmer, ein Bett, ein Kasten, leere Flaschen und Gummistiefel. Laut dröhnt die Musik aus einem alten Radio. Er tanzt, er zieht sich aus. Sein weißer, hagerer Körper bewegt sich im Licht der nackten Glühbirne.

Zwei Frauen auf einem Sofa. Die eine erzählt der anderen, was sie gestern gegessen hat, was es heute zu Essen gibt und was sie morgen kochen wird. 
Tschechien und Österreich. So beginnt der Film.
 In einem kleinen österreichischen Dorf nahe der Grenze zu Tschechien lebt der Witwer Sepp Paur. Die von seiner verstorbenen Frau in der Tiefkühltruhe gelagerten Essensvorräte gehen allmählich dem Ende zu. Somit wird es Zeit für den Sepp, sich abermals um eine Frau umzuschauen.
 In einem kleinem tschechischen Ort hat die Witwe Paula Hutterová mit ihren Schwestern viel zu bereden. Ihre Jugend, die verstorbenen Männern, den Alkohol und den Sex.
 Hausfrauen sind damit beschäftigt, ihren Haushalt in Ordnung zu halten. Unangenehm laut dröhnen die Motoren der Staubsauger, der Mixer, der Bürsten und anderer Geräte.
 Eine Wiese. Eine Wäscheleine. Davor ein Kind auf einem Dreirad. 
Der eisige Wind bläst durch die Wäsche, dann ein leises Schluchzen. Das Kind weint. 
Von der einen Seite der Grenze schaut Sepp mit seinem Fernrohr auf die andere Seite und beobachtet sehnsüchtig Paula in ihrem kleinen Haus. Ein Haus ohne Fließwasser, wo sie mit ihren Hunden und ihrem Schwarzweiß-Fernseher lebt. 
Hier Wohlstand und ein Mann, der eine Frau zu finden hofft. Dort Armut und eine Frau, die es nicht versteht, dass drüben in Österreich alles so schön und so sauber ist.

Zwei Nachbarortschaften. Dazwischen die Grenze. 
Das ist die Geschichte, doch nicht nur das. Vom Verlust der Grenze, vom Verlust der Heimat, vom Verlust der Jugend, vom Verlust der Liebe - davon erzählt dieser Film.

Premiere location: 42. Berlinale
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Mit Verlust ist zu Rechnen


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